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Andacht für Oktober 2012

Was den Deutschen Angst macht..!

Laut einer repräsentativen Studie der R+V Versicherung zum Thema: „Die Ängste der Deutschen“, bereitet die Schuldenkrise in Europa den Bundesbürgern 2012 die meisten Sorgen. Knapp drei Viertel der Deutschen befürchten, dass am Ende die Rechnung für die Euro-Schuldenkrise an ihnen hängen bleibt. Auch wenn vor Kurzem im Bundesverfassungsgericht die Entscheidung über die Rechtmäßigkeit des ESM (Europäischer Stabilitätsmechanismus) gefallen ist, bleibt bei Vielen dennoch ein gewisses Bangen, wie es um die Zukunfts- und Krisensicherheit der „Euro-Rettungsschirme“ bestellt ist. Dem Ringen der Politiker und Finanzsachverständigen, die alles dafür zu tun, dass wir auch in Zukunft in stabilen Verhältnissen leben können, kommt in unser aller Interesse eine hohe Priorität zu.

Und doch gehören zu meiner persönlichen Zukunftsfähigkeit noch mehr als äußere Rahmenbedingungen. Es braucht auch die Auseinandersetzung mit meinen inneren Lebens- und Glaubensfragen. Wie viel Aufmerksamkeit verdient eigentlich dieser Bereich? Und wie engagiert suchen und bemühen wir uns hier um Lösungen und Hilfen?

Bereits seit Jahren beschäftigt mich das Thema der persönlichen und geistlichen Entwicklung.

Wie kann ich selbst und wie können wir als Gemeinde „heiler, fröhlicher, stabiler, stärker und selbstbewusster“ werden? Was bedeutet geistliche Reife überhaupt? Gibt es Regeln, Rituale, Voraussetzungen und Hindernisse auf dem Weg? Laut dem Neuem Testament ist es normal, mit der Zeit immer charakterstärker, reifer und Jesus ähnlicher zu werden (vgl. Gal. 4,19ff). Und hier klafft (wenn wir ehrlich sind) oft eine schmerzliche Lücke zwischen Anspruch und Wirklichkeit. Dabei soll uns die Frage nach den Hintergründen nicht verunsichern oder uns gar in Angst und Ärger versetzen.

Vielmehr geht es darum, mitten in der Hitze des Alltags die gelegentlich verloren gegangenen Fährten eines lebendigen, frischen und erfahrungsorientierten Christseins neu zu entdecken und wieder aufzunehmen. Einige Hilfen dazu habe ich (durch Empfehlung meiner Frau) im Buch von Birgit Schilling (Fest im Glauben, stark im Leben; SR Brockhaus) entdeckt. Die Autorin spricht sehr offen von dem Dilemma, dass der christliche Alltag oft nur wenig mit den biblisch dargestellten Möglichkeiten zu tun hat.

Bei der Suche nach Ursachen nennt Frau Schilling folgende Beobachtungen:

Wir haben uns daran gewöhnt, dass wir nur wenige starke, attraktive Christen kennen, und denken daher: „Das ist so normal!“
Wir spalten unser „geistliches Leben“ von unserem restlichen Alltag ab.
Wir folgen einem falschen Konzept von Wachstum und Veränderung: [Wir meinen, wenn wir Predigten hören und Bücher lesen, reifen wir. Wissen allein verändert jedoch nichts. Wachstum und Reife entsteht durch „Jüngerschaft“, wie es die Jünger drei Jahre bei Jesus erlebt haben.]
Wir leben keine verbindliche, tiefe Gemeinschaft.
Wir wälzen die Verantwortung für unser Wachstum auf andere ab. [Pastor, Älteste, etc..]

Je länger ich mich mit diesem Thema befasse desto mehr habe ich den Eindruck, dass hier entscheidende Weichen gestellt werden. Ich entdecke stückweise, dass das Leben mit Jesus, so wie ER es sich vorstellt, zu einer unglaublich ermutigenden Erfahrung und zu einer echten Kraftquelle besonders in den Stürmen des Lebens werden kann. Hier glaube ich gibt es noch einiges zu entdecken und noch so manchen Schatz zu heben.

Auf dem Weg in diese Richtung hoffen und beten wir natürlich weiterhin für äußerlich stabile Verhältnisse in unserem Land und in Europa..! Doch für existentielle Angst und lähmende Zukunftssorgen, wie sie die R+V Studie beschreibt, besteht dann keine Notwendigkeit mehr. Denn dann trägt uns immer mehr die Erfahrung, dass die alles entscheidende Hilfe nicht nur vom ESM / Rettungsschirm zu erwarten ist, sondern vor allem von dem lebendigen Gott, der Himmel und Erde gemacht hat (Ps. 121,1-2).

Mit einem herzlichen Gruß an alle Leser.

Euer
P. Rau | Pastor

PS.: Das Buch von B. Schilling kann am Büchertisch bezogen werden.

28.09.2012